Rüdiger Dahlke über Peace Food und Krankheit als Weg

Dr. med. Rüdiger Dahlke arbeitet seit vielen Jahren als Arzt, Psychotherapeut, Fastentrainer und Seminarleiter. Als Autor zahlreicher Bücher ist er unter anderem bekannt geworden durch seine Werke „Krankheit als Weg – Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder“ oder „Peacefood – wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt.“ Was Rüdiger Dahlke mit Hippokrates‘ Worten „du bist, was du isst“ verbindet, erzählt er uns jetzt im folgenden Gespräch. Das Interview führte Katharina Fuchs.

Fuchs: Bei Hermann Hesse aus Siddhartha heißt es “ Nichts wird von Dämonen bewirkt, es gibt keine Dämonen. Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.“ Was verbinden Sie für Gedanken mit diesem Zitat?

Dahlke: Ich habe auch jede Menge vertrauen ins Fasten und damit schon viele zauberhafte Wunder erlebt. Und ja, „denken“ und „warten können“, d.h. „Geduld haben“ finde ich auch wundervolle Mittel, um zum Ziel zu kommen.

Fuchs: Sie sind u.a. bekannt geworden durch Ihren Bestseller „Krankheit als Weg“. Darin schreiben Sie, dass sich hinter den meisten körperlichen Beschwerden ein emotionales Thema verbirgt. Für alle, die Ihr Buch nicht gelesen haben: Können Sie Ihre Ansicht am Paradebeispiel eines Esssüchtigen und eines Menschen erklären, der an sexueller Impotenz leidet?

Dahlke:
Ein Esssüchtiger sucht etwas, wie jeder Süchtige, in diesem Fall über das Essen. Es geht ihm möglicherweise um geistig-seelische Erfüllung und er erreicht körperliche Fülle, weil er die Ebene verwechselt. Er möchte vielleicht rund und gesund werden und wird auch rund, aber eben körperlich und das ist ausgesprochen ungesund, wie inzwischen sogar die Wissenschaft belegt. Essen ist meist eine Ersatzbefriedigung und im Sinne von „Krankheit als Symbol“ gilt es dann die Symbolik des Essens zu erfassen.

Man kann essen, um sich zu schützen, und sich ein „dickes Fell anfressen“. Man kann sich essend belohnen, weil es sonst keinen Lohn gibt und das Leben sich so kaum lohnt. Man kann seine Figur aus Angst vor der Polarität in Babyspeck untergehen lassen. Man kann aus Kummer essen und wird den berühmten Kummerspeck ernten, weil man statt dem süßen Menschen anfängt Süßigkeiten zu (ver)naschen usw.
Bei der Impotenz geht es darum, seinen Mann nicht stehen zu können oder jedenfalls Angst davor zu haben, es nicht ausreichend zu können, was der Körper offensichtlich deutlich macht.
All das und noch viele Hundert andere Symptome sind in „Krankheit als Symbol“ ausführlicher als hier möglich gedeutet.

Fuchs: Bedenkt man, dass unser Körper der Tempel unserer Seele ist und sich Körper und Geist gegenseitig bedingen, versteht es sich von selbst wie wichtig das Thema gesunde Ernährung ist. Hippokrates würde es mit den Worten übersetzen „du bist, was du isst“ oder kurz gesagt: „das, was ich esse, hat einen massiven Einfluss auf unseren Geist und das, was ich denke, hat wiederum einen starken Einfluss auf unseren Körper. Welche Bedeutung hat Nahrung für Sie aus der Sicht eines veganen Menschen?

Dahlke:
Ich halte die Ernährung für einen ganz entscheidenden Punkt, weswegen ich ja „Peace-Food“ und die anderen Bücher in dieser Reihe geschrieben habe, wie auch kürzlich erst „Peace-Food – vegano-italiano“. Allerdings halte ich die Seele und auch ihre Behandlung für noch wichtiger, wie es das Wort Psychosomatik so schön ausdrückt.
Vegane Ernährung ist für mich aber ganz wichtig, weil sie nicht nur meinen Körper, sondern auch mein Denken, vor allem aber auch meine Meditationen so vertieft und damit unterstützt.

Fuchs: Zahlreiche Skandale in der Lebensmittelindustrie und der rasante Anstieg an Zivilisationskrankheiten bewegen immer mehr Menschen sich mit alternativen Ernährungsformen auseinanderzusetzen. Stichwort vegane Kochkost oder Rohkost – was halten Sie persönlich von veganer Rohkost?

Dahlke: Ich neige sehr und insbesondere in der warmen Zeit zu frischer vollwertiger veganer Rohkost – am liebsten aus dem eigenen Garten in TamanGa. Allerdings klappt das mit dem Ideal nicht immer, auf meinen Vortragsreisen sogar oft nicht, und in kalten Zeiten, spüre ich auch den Wert der chinesischen Medizin und ihr Wissen von der Lebenswärme.

Fuchs: Zunehmend postulieren kritische Stimmen die negativen Folgen durch den Verzehr tierischer Produkte, sprich Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte. Wie sieht Ihre Ansicht dazu aus?

Dahlke: Ich halte Tierprotein aus ärztlicher Sicht als Ernährung für unverantwortlich, ja katastrophal und ich habe das in „Peace-Food“ ja auch sehr deutlich gemacht. Oder umgekehrt, kenne ich keine medizinische Maßnahme, die so rasch so nachhaltig so viele Symptome bessern kann wie pflanzlich-vollwertige Kost.

Fuchs: Sie schreiben auch in Ihrem Buch „Peacefood“, dass die Zahl an Panikattacken in unserer Gesellschaft massiv durch die Massentierhaltung und den steigenden Konsum tierischer Eiweiße zugenommen hat. Viele Menschen halten das keineswegs für einen Esoterikschwachsinn. Wo liegt Ihrer Meinung nach der Zusammenhang zwischen Körper, Geist & Seele und dem Konsum tierischer Nahrungsmittel?

Dahlke: Wenn wir Fleisch von Tieren essen, die in Todesangst dem Sterben von vielen Artgenossen zusehen mussten, ist ihr Fleisch natürlich voller Neurotransmitter der Angst und Panik. Diese sind bei allen Säugetieren identisch. Man isst mit diesem Fleisch also gleich die Angst mit.

Fuchs: Um noch einmal auf die vegane Kochkost zurückzukommen. Es gibt inzwischen bereits Skeptiker, die von hormonellen Störungen im Zusammenhang von Sojaprodukten berichten. Kriss Micus berichtet unter anderem in Ihrem Buch über eine Schilddrüsenunterfunktion, hervorgerufen durch Sojaprodukte. Wie sehen Sie das?

Dahlke: Zwischen Soja und einer Schilddrüsenunterfunktion kann ich keinen medizinischen Zusammenhang sehen. Alle mir bekannten Studien, und das sind doch einige, zeigen die Vorteile von Soja und in Asien ist das ja seit langer Zeit bekannt. Allerdings muss Soja wirklich aus Bioanbau stammen und darf nicht genmanipuliert sein.
Zwar hat Soja schwach östrogenähnliche Wirkung, aber es schadet in Maßen genossen auch keineswegs bei Brustkrebs, sondern nützt im Gegenteil. Auf Facebook habe ich kürzlich eine ausführliche Rehabilitation von Soja geschrieben. Und natürlich macht es auf dem Gegenpol keinen Sinn, sich hauptsächlich von Soja zu ernähren oder gar Kinder ausschließlich mit Soja-Milch aufzuziehen oder täglich Mengen davon zu nehmen. Das wäre mindestens für männliche Wesen nicht sinnvoll.

Fuchs: Beobachtet man die Tiere in freier Wildbahn, darunter auch Spezies, die sich nur von rohem Fleisch ernähren, kann man feststellen, dass die meisten kaum unter sogenannten Zivilisationskrankheiten leiden wie unsere Haustiere. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und denken Sie, dass unsere geliebten Vierbeiner Katz und Hund auch zur veganen Kost mutieren sollten?

Dahlke: Der enorme Vorteil der meisten (Raub)Tiere in freier Wildbahn ist wohl, dass sie alles frisch und selbst wenn sie Fleisch fressen dieses doch absolut frisch bekommen, wo es noch voller Lebensenergie ist. Der fleisch essende Mensch aber nimmt praktisch ausschließlich Aas zu sich, ist also noch am ehesten mit einer Hyäne zu vergleichen. Die Hausfrau fragt ja ganz direkt: „Ist das Rind auch gut abgehangen?“ Damit fragt sie letztlich, ob die Verwesungsprozesse schon weit genug fortgeschritten und die Leichenstarre schon überwunden ist.
Mit Katzen und Hunden habe ich zu wenig Erfahrung, um Ratschläge geben zu können, erlebe aber staunend, wie unsere Katzen ganz bereitwillig veganes Futter akzeptieren und bei der Wahl zwischen fleischhaltigem und veganen, tatsächlich letzteres vorziehen. Aber ich denke wohl, dass sie sich im großen Garten von TamanGa schon ihre Mäuse holen, wenn sie diesbezüglich Bedarf haben. Von Hunden höre ich, wie viel älter sie mit veganem Futter werden, was ja wohl eher günstig zu bewerten ist.
Wildtiere einerseits und Haustiere andererseits zeigen gerade, dass unsere Zivilisationsprobleme mit unserer denaturierten wenig frischen und meist nicht artgerechten Kost zusammenhängen.

Fuchs: Abschließend meine letzte Frage: Schreiben Sie gerade wieder an einem neuen Buch und wenn ja, worüber handelt die Geschichte diesmal?

Dahlke: Gerade habe ich „Peace-Food – vegano-italiano“ geschrieben, das jetzt im September herauskommt, mit dem ich der veganen Welle, die schon längst zum Trend geworden ist, dazu verhelfen will, sich zum neuen Lebensstil zu mausern. Die italienische Küche eignet sich besonders dafür, einem leichten, entspannten, lockeren und anmachenden Körpergefühl das Feld zu bereiten, von all den geistig-seelischen Vorteilen ganz zu schweigen.
Und gerade beende ich das Thema „Liste vor der Kiste“, das im Oktober herauskommt. Es ist eine Anleitung – inspiriert von dem Film „Das Beste kommt zum Schluss“ die ganz persönliche Liste all dessen zu erstellen, was man auf jeden Fall noch erleben möchte.

Buchtipp:

Peacefood

Peace Food- Vegano Italiano Das Kochbuch