Gewohnheiten und gesellschaftliche Aspekte der Ernährung

Ernährung und psychosoziale Aspekte sind eng mit einander verbunden. Denn das was wir essen hat nicht nur einen Einfluss auf unsere körperliche Verfassung, sondern auch darauf wie es uns emotional geht und in welchen Gedankenmustern wir täglich verharren. Mehr noch: Alltags-Ernährung beeinflusst in diesem Kontext nicht nur unsere persönlichen Muster und Gewohnheiten, sondern stellt damit auch unser Gesellschaftsystem auf den Kopf.

Kein Stress mit dem Essen

Wir wissen, dass Möhren und Bananen gesünder sind als Wurst und Schokolade. Nur: Warum essen wir Wurst und Schokolade lieber? Der Grund ist, dass Gesundheit in diesen Momenten gar nicht das Thema ist. Es geht meist um Stress. Doch anstatt die Ursache zu beseitigen, essen wir lieber etwas: Ersatzbefriedigung und Kompensation eben. Es ist einfacher, Döner, Burger oder Schokolade zu essen, da uns das schneller Glücksgefühl und Zufriedenheit bereitet. Doch Stress wirklich verringern heißt ihn erkennen. Wenn wir also das Thema „hinter der Schokolade“ verstehen, müssen wir uns nicht auch noch Stress mit dem Essen machen.

Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!

Das, was wir als Kind in Form von Süßigkeiten von Mama aufgetischt bekommen haben, akzeptieren wir unbewusst als gut und sicher. Weichen wir davon ab, fürchten wir unbewusst den Verlust von Sicherheit und Geborgenheit. Greifen wir dann später zu Eis und Schokolade, verbinden wir damit die mütterliche Geborgenheit, das Schutzgefühl, selbst wenn dies Wegbereiter für Karies, Diabetes & Co sind. Erkennen wir diese Zusammenhänge, ist es uns möglich, gesündere Wege zu gehen, auch wenn wir es anders gelernt haben.

Herdentrieb

Essen ist ein soziales Ereignis. Wir erleben mehr Genuss, Gemütlichkeit, vor allem aber Zugehörigkeit zur Gruppe, wenn wir in Gemeinschaft essen. Der Herdentrieb ist stark. Wer in der Wildnis aus der Herde ausbricht, riskiert sein Leben. Wenn wir also in Gesellschaft anders essen, sei es vegetarisch, vegan oder gar Rohkost, dann spielen uns diese Urängste gern einen Streich, sprich: Wir passen uns lieber an. Manch einer kennt sogar den Vorwurf: „Jetzt können wir ja nicht mal mehr zusammen essen!“ Es gehört also schon eine Portion Mut und Willen dazu, anders zu sein, anders zu essen.

Gib Pfötchen – Selbstdressur

Belohnung gefällig? Ich stelle mir gern die Frage, warum ich eigentlich gerade was esse. Die ernüchternde Antwort ist dann oft: Ersatzbefriedigung, Aufschiebeverhalten, Stress- Kompensation oder Belohnung: „Das habe ich mir jetzt mal verdient.“ Dieses fehlgelaufene Belohnungssystem lässt sich zum Glück ändern: das Belohnungsverhalten bewusst machen und einfach unsere bisherigen Goodies durch etwas ersetzen, das uns gut tut: leckere natürliche Lebensmittel wie z. B. Mangos – oder Sport, den Lieblingsfilm oder einen Spaziergang.

Aus Erfahrung gut

„Aus Fehlern wird man klug.“ Wenn wir etwas tun, das uns schadet, dann wiederholen wir es normalerweise nicht. Unsere Erfahrungen in Sachen Ernährung sind jedoch aufgrund der Veränderung von Nahrungsmitteln wie Würzen, Mischen, Kochen, Braten, usw. so verändert, dass unser Instinkt nicht mehr in der Lage ist, uns vor Gefahren zu warnen. Daher hilft es, wieder naturbelassen zu essen, um mit Vertrauen in die Natur unsere Gewohnheiten zu überdenken und neu zu kalibrieren. Nur weil sich eine Tradition über ein paar tausend Jahre erhalten hat, muss sie nicht zwingend gut und richtig sein.

Genussniveau

Der Genuss-Sinn ist eine Funktion des Instinktes. Schmeckt uns etwas gut, dann ist es auch gesund. Und mehr noch: Finden wir keinen Genuss im Essen, werden Stress, ja sogar Angst ausgelöst. Jedoch funktioniert der Instinkt nur bei Naturbelassenem. Veränderte, „kultivierte“ Nahrung hingegen ist zu neu, als dass der Instinkt uns vor eventuellen Gefahren warnen könnte. Wenn uns also die Zuckerwatte und die Weihnachtsgans schmecken, ist das kein Garant für Gesundheit. Ergo: Essen Sie gesund UND lecker.

Tipp: Beantworten Sie sich einfach mal die Frage, warum Sie essen. So schaffen Sie Bewusstsein über Ihr Essverhalten. Dies ist der erste Schritt für Veränderungen.

Gewöhnen Sie sich genussvoll an naturbelassene Nahrung, zum Beispiel mit der Kombination von Wildkräutern und süßem Obst oder einer selbstgemachten Mandelmilch, dattelgesüßt.

AD PERSONAM:

Mark Weiland ist veganer Rohköstler, hat Medizin studiert und eine Ausbildung zum Ernährungsberater hinter sich. Er ist Filmproduzent für alles, was mit Gesundheit und Naturverbundenheit zu tun hat. Zweimal wöchentlich bietet er im Schlosspark Charlottenburg das Wildkräuterfrühstück an.

Text: Mark Weiland