Verein für Konsumenteninformation: Markentest

Der Verein für Konsumenteninformation, kurz VKI hat in Kooperation mit der Forschungsstelle Wirtschaftsethik der Uni Graz eine Studie zu 24 Marken bzw. Auslobungen durchgeführt. Eine Bilanz die sich sehen lässt.

Was bedeutet Bio eigentlich ganz genau und ist Bio vertrauenswürdig? Ein Großteil der Bevölkerung blickt im Bereich biologischer Lebensmittel nicht mehr ganz durch. Gründe dafür sind unter anderem die mangelnde Transparenz und Glaubwürdigkeit, die auch der schärfste Kritiker Clemens Arvay mit seinem Buch: „der große Bioschmäh“ in Frage stellte. Was muss ein Gütesiegel also erfüllen, damit es nicht noch mehr Verwirrung im Gütesiegel Dschungel bei der Bevölkerung auslöst? Kurzum: Es muss einen Mehrwehrt schaffen und Handelsunternehmen dazu anregen ihre Marktmacht dazu zu nutzen, eine Verbesserung und Verbreitung des Angebots an nachhaltigen Produkten zu bewirken. Mehrwert heißt aber auch, dass Gütesiegel über die Mindestanforderungen hinaus gehen sollen, mehr bieten müssen, als es etablierte staatliche oder unabhängige Prüfzeichen tun oder, dass verschiedene Prüfsysteme in einer Marke kombiniert werden sollen- Beispiel: ein veganes Bio-Produkt aus der Region.

Gütesiegel sollen Konsumenten eine Entscheidungshilfe sein- rein theoretisch gesehen. In Österreich haben wir aber die paradoxe Situation, dass es mittlerweile mehr als 100 verschiedene Auslobungen im Lebensmittelbereich gibt, aber kein Gütezeichengesetz, das die Vielzahl an privaten Labels kontrolliert und somit Orientierungslosigkeit unter anderem bei den Käufern auslöst, kritisiert Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation. „Eine Berechtigung haben eigens kreierte Siegel des Handels nur dann, wenn sie mehr bieten als derzeit etablierte staatliche oder unabhängige Prüfzeichen, wie zum Beispiel das österreichische Biozeichen“, so Floss weiter.

Der Gütesiegeltest: Ein Blick hinter die Kulissen

Der Verein für Konsumenteninformation hat kürzlich in diesem Zusammenhang gemeinsam mit der Forschungsstelle der Uni Graz eine Studie zu 24 Marken durchgeführt. Labels aus vier Kategorien (biologische Lebensmittel, herkunftsgesicherte Lebensmittel, fleischlose Lebensmittel, umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel) wurden auf folgende Kriterien überprüft:

Anspruch: Geht dieser über den Mindeststandard bestehender Gütesiegel hinaus?
Externe Kontrolle: Existiert eine Prüfung durch unabhängige Prüfstellen?
Transparenz: Sind die Werbeaussagen nachvollziehbar?
Weiterentwicklung: Gibt es Konzepte, wie sich die Marke weiterentwickeln soll?

Bei der Untersuchung wurden die EU-Bio-Verordnung bzw. die Kriterien des österreichischen Biozeichens als Mindeststandard herangezogen. Als oberste Benchmark wurde die Demeter-Verordnung gewählt, da der Demeter Bund als strengster aller Bio-Verbände angesehen ist. Die deutsche Drogeriekette „Müller“ und die oberösterreichische „Pfeiffer Handelsgruppe“ bzw. „Zielpunkt“ verweigerten die Teilnahme an der Studie. Das Ergebnis der Studie zeigt: Die meisten Unternehmen können die zugrundeliegenden Maßstäbe des „Ama Gütesiegels“ erfüllen. Doch nur die Marken „Bio vom Berg (MPreis)“, „Sutterlüty`s“, „Ja! Natürlich (Rewe)“ und „Zurück zum Ursprung (Hofer)“ bieten über das österreichische Biozeichen hinaus einen deutlichen Mehrwert. „Bio vom Berg“ kann sich nicht zuletzt deshalb von der Konkurrenz absetzen, weil die Bio-Marke auch auf Regionalität, Saisonalität, und Fairness setzt. „Zurück zum Ursprung“, und „Ja! Natürlich“ punkten u.a. zwar bei der externen Kontrolle. Deren Glaubwürdigkeit leidet allerdings durch nicht immer nachvollziehbare Werbebotschaften. „Spar Natur pur“, „Natur aktiv“ und „Echt Bio“ entsprechen zwar der unteren Benchmark, deren Mehrwert ist allerdings begrenzt. So gibt es beispielsweise bei „Spar Natur“ pur keine systematischen unabhängigen Überprüfungen. Am wenigsten überzeugte „Biotrend“, das in keiner Hinsicht über gesetzliche Mindeststandards hinausgeht.

Zusammenfassend gilt, dass zumindest einige der Marken der großen Handelsketten strenger und umfassender als unabhängige oder staatliche Prüfsiegel gestaltet sind. Die Mehrheit der geprüften Marken bieten jedoch nur einen beschränkten Mehrwert, resümiert VKI-Ethikexperte Peter Blazek abschließend.

Foto: BMLFUW, FotografIn: Rita Newman