Ernährung, Psyche, Sexualität und Liebesinstinkte von Facharzt für psychotherapeutische Medizin Dr. Henner Ritter

Der Bereich der Rohkosternährung umfasst weit mehr, als Nahrung auf köperlicher Ebene. Es geht um Bewusstseinsentwicklung, Transzendalität und die positiven Auswirkungen der psychischen Komponente mittels instinktiver Rohkosternährung. In den Vordergrund rücken dabei die menschlichen Urinstinkte, vorwiegend die Bedeutung unseres Liebesinstinktes der vor allem durch unseren gegenwärtigen denaturierten Nahrungsmittelkonsum stetig verkümmert. Intensive Forschungarbeit auf diesem Gebiet betrieb Dr. Henner Ritter, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Experte für PranaEnergetic. Die Schlagwörter lauten Ernährung, Psyche, Sexualität und Liebe.

Text: Katharina Fuchs

Die Instinktforschung und der Bereich der Paläoanthropologie beziehen sich auf die Erkenntnisse, dass Instinkte die Bereiche der einzelnen Seins- und Bewusstseinsebenen umfassen und darüber hinaus für unsere Gesundheit im Kontext gesellschaftlicher Beziehungen und für unser Liebesleben verantwortlich sind. Im Gegensatz dazu steht das Mentale, das Ego, die Ich-Manipulation unserer Natur, der Intellekt der diese Instinkte überlappt und die Natur in antagonistische Widersprüche aufspaltet. In der griechischen Mythologie wird dies durch die Hybris, im biblischen Schöpfungsmythos durch den „Sündenfall“, das Essen vom Baum der Erkenntnis symbolisch dargestellt.

Der Fortschritt der Zivilisation und unsere kapitalistische Gesellschaft führen fortschreitend zur Schwächung unserer natürlichen Instinkte, der Entfremdung unserer innersten Natur, zu zahlreichen Zivilisationskrankheiten, dem Verlust einer bedingungslosen Liebe, gekoppelt mit sexuellen Problemen und Missbrauch, welche durch die Massenmedien obendrein verstärkt werden und fatale Konsequenzen innerhalb des Systems mit sich ziehen . Gestützt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen stellte Dr. Henner Ritter, Facharzt für Psychotherapie und Experte für PranaEnergetic in diesem Zusammenhang fundamentale Thesen auf, die das gesellschaftliche Beziehungsmuster und das Liebesleben in ein anderes Licht rücken. Neben dem tierischen Fortpflanzungsinstinkt gibt es einen sogenannten Liebesinstinkt, dessen Aufgabe es ist, die Aktivierung der geistigen, spirituellen und übersinnlichen Fähigkeiten zu aktivieren und Liebe auf einer höheren Bewusstseinsebene greifbar zu machen. „Der Liebesinstinkt ist dabei mit den grundlegenden Instinkten wie Nahrung, Familie, Transzendenz innig verbunden. In den Vordergrund rückt dabei der Nahrungsinstinkt der nicht nur bei Tieren, sondern auch bei uns Menschen vorhanden ist“, so Ritter. Das Übergehen des Nahrungsinstinkts bzw. einer instinktiven Sperre beim Essen verursacht daher unweigerlich Zivilisationskrankheiten, vorzeitigen Tod, Verwirrung der Liebesinstinkte oder im schlimmsten Fall totale Selbstvernichtung. Unsere Instinkte sind angeborene, biologisch zweckmäßige Verhaltensweisen. Ritter weiter: „Eine Abkoppelung eines Instinktes von seinem Ziel und die kurzfristige Lustgewinnung, wie es in der Gesellschaft oft üblich ist, führen letzten Endes zu suchthaftem Verhalten. Die Veränderung unserer Lebensgewohnheiten, die Abschottung durch die Natur, der Verlust der eigenen Mitte, die Spaltung von Kopf, Herz und Bauch führen vorwiegend zur Verwirrung der Liebesimpulse.“ Durch denaturierte Nahrung wird unser Nahrungsinstinkt beeinträchtigt, weil ohne instinktive Sperren (wie Kratzen im Hals, rinnende Nase, Sättigungsgefühl, Brennen auf der Zunge) und Warnsignale, während der Nahrungsaufnahme, lebensnotwendige Fähigkeiten verloren gehen. Ungeübt in einer instinktiven Ernährungsweise haben wir verlernt Maß zu halten, gesunde und schädliche Substanzen mit der nötigen Präzession zu unterscheiden, was jedoch ein gesunder Organismus zur Aufrechterhaltung benötigt. Wie jedes Lebewesen ist auch der Mensch mit einem Ernährungsinstinkt ausgestattet, der auf dem Urprinzip von anziehend (schmackhaft) oder abstoßend (Ekel) und dem universellen Lustprinzip beruht und solange funktioniert bis der Organismus durch die Suchtmittelindustrie manipuliert wird. Wer also z. B eine naturbelasse Ananas isst wird, sobald der Körper genug davon hat, ein Warnsignal wahrnehmen können. Dieser Vorgang funktioniert aber nur mit naturbelassenen unveränderten Nahrungsmitteln. Ziel ist es also den Ernährungsinstinkt zu regenerieren und die Sinne und den Spürsinn im ursprünglichen wieder zu schulen, wie es auch bei der instinktiven Rohkosternährung praktiziert wird.

Die Ernährungsweise der gegenwertigen Zeit –
eine Frage der genetischen Anpassung

Der französische Chemiker Louis Camille Maillard hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts wissenschaftlich bestätigt, dass in einer Bratkartoffel im Gegensatz zu einer natürlichen Kartoffel über 400 verschiedene Moleküle, die es in der Natur so nicht gibt, aufzufinden sind. Im Gegensatz dazu sind wir mit über 5000 genetisch programmierten Enzymen, die in der Natur vorkommenden Nahrungsmitteln, optimal angepasst. Der Schweizer Arzt „Max Bircher-Benner“ erkannte bereits, dass Zivilisationskrankheiten durch natürliche Kost und den Einklang mit der Natur geheilt werden können. Doch nicht nur der Stoffwechsel ist durch Übersäuerung und Degeneration beeinträchtigt, sondern auch unser Hormonhaushalt und das Nervensystem geraten durcheinander. Bei einer Messung des endogenen Erregungszustandes bestätigte der amerikanische Psychiater T.C. Dohon 1979 in seinen Untersuchungen, dass das gesamte Nervensystem vielfach höher durch Weizen, Gluten erregt war. Damit kommt es zur seelischen Belastung intimer Beziehungen, die durch Ängste, Depressionen, Neid, Bewusstseins-, Einstellungsänderung, Wahrnehmungsstörungen, Schizophrenie, etc. geprägt sind.

In diesem Zusammenhang betont Henner Ritter auch dass ökologische Befürworten einer ursprüngliche Nahrung: „Unsere Pflanzen speichern Sonnenenergie mit Hilfe des Chlorophylls. Die Pflanzen sind damit die primäre Energiequelle für Mensch und Tier. Alles Lebens ist transformiertes Licht. Auch alle geistigen Aktivitäten, die mit der Nahrung in Berührung kommen, werden von dieser Energiequelle gespeist. Je naturbelassener eine Nahrung ist, desto mehr Sonnenenergie kann gespeichert werden. Durch die Lebensmittelindustrie werden Nahrungsmittel so verändert, dass kaum mehr Energie vorhanden ist.“ Zu einem gleichen Entschluss kommt auch „Max Bircher-Benner“ in den zwanziger Jahren. Folglich müssen wir durch die niedrige Energiebilanz das Defizit wieder ausgleichen und versuchen uns dann wiederum mehr denaturierte Moleküle zu zuführen. Darüber hinaus entstehen beim Kochen der Verlust von lebenswichtigen Nährstoffen, wie Vitamine, Enzyme, Mineralien, Spurenelemente. Da Leben und Bewusstsein transformiertes Licht ist, verschleiern wir mit der Vernichtung von Lebensenergie damit auch unser Bewusstsein.

Ernährung, Psyche, Sex, Liebe

Der Nahrungsinstinkt hat, wie bereits eingangs erwähnt, nicht nur einen großen Einfluss auf unsere körperliche Ebene, sondern auch auf unsere Psyche und unserer Nervensystem. Er umfasst damit auch die Bereiche der Sexualität, welche durch eine endogene Erregung mit Rückkoppelungen im Gehirn einhergehen und durch genitale Orgasmusfixierung, sexuellen Missbrauch, hektische Gier, Impotenz, vorzeitiger Samenerguss, Unlust und Frigidität gekennzeichnet sein kann. Dabei ist die erotische Aktivität nicht zuletzt auf die Fortpflanzung zu reduzieren, sondern bezieht sich auf die Metaebene zwischenmenschlicher Beziehungen, die tiefe Verbundenheit, die jegliche Bewusstseinsdimensionen übersteigt und die mit geistigen übersinnlichen Fähigkeiten wie Hellsichtigkeit, Telepathie, Visionen, Kreativität verbunden sein kann. Die fließende Liebesenergie verschwindet sobald diese durch abnormale Substanzen blockiert wird. Es kommt zur Unterdrückung des Liebesinstinktes, der nur mehr durch eine mangelnde Erfüllung der Gefühlsebene und fehlender Befriedigung geprägt ist und letzten Endes zu Suchtverhalten führt, um das Defizit des Glücksgefühls zu kompensieren. Ritter wörtlich dazu: „Alle Instinkte sind notwendig für die Selbst- und Arterhaltung. Werden sie zu kurzweiligem Lustgewinn missbraucht und daran gehindert, ihren Sinn der Lebenserhaltung zu erfüllen, so erfassen uns Zweifel, Unruhe, Sorgen, Schuldgefühle und im Grunde Todesangst. Diese Angst und Schuldgefühle müssen wir wiederum mittels Suchtmittel in unterschiedlichem Ausmaß (Esssucht, Magersucht, Sexsucht, etc.) betäuben. Begleitet wird dieses Szenario durch gesellschaftlichen Übermut mit endlosen Selbstgesprächen, Rechtfertigungen und Grübeleien. Das Ego, als Trugschluss einer falschen Ich- Identität ist also nicht unsere zeitlose Wesensmitte, sondern geprägt durch Angstabwehr, Selbstbetäubung , Umtriebigkeit und Ur-Sache allen Leidens, da es die natürlichen instinktiven Abläufe stört. Das Ego ist unsere Suchtpersönlichkeit. Es verzerrt unsere Wahrnehmung soweit, dass Buddha es in seinen Anschauungen mit Dummheit, Verblendung und Wahn gleichsetzte. Dadurch produziert es unweigerlich die Geistesgifte Gier, Hass, Neid und Stolz. Seine Überwindung ist schon die ersehnte Befreiung, mit der auch alle Angst schwindet. Demnach ist das Ziel der meisten mystischen Schulungswege jenes, das lautet: Erkenne dich selbst.“

In diesem Sinne übergebe ich meine letzten Worte an Johann Wolfgang Goethe, wenn er sagt: KRONE-DES-LEBENS-LIEBE-BIST-DU!

 

ZUR PERSON

Henner Ritter, geb. 1941. Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Atemlehrer, Familientherapeut und Tantralehrer. Er war Vater von drei Söhnen und zwei Töchtern. Sein erster spiritueller Lehrer war Karlfried Graf Dürckheim, der ihn in die initiatische Therapie einführte. Auf mehreren Indienreisen studierte er buddhistische und hinduistische Wege der geistigen Gesundung und Vervollkommnung. Er lernte indische und tibetische Meister kennen, die ihn inspirierten und einweihten. Die nachhaltigsten Impulse empfing er von Sri Aurobindo, Sri Ramana Maharshi, Swami Hariharananda, Sri Anandamayi Ma, Osho (Bhagwan), dem Dalai Lama, Kalu Rimpoche und Mata Amritanandamayi Devi. Er entwickelte „Prana-Energetic“ als integrative Atemmethode aus der Verbindung von Rebirthing, Tiefenpsychologie, Yoga/Tantra und transpersonaler Psychotherapie. Von 1980 bis 2009 leitete er in Stuttgart das PADMA – Institut für ganzheitliches Heilen und Wachsen. Er leitete Seminare in Europa und Indien. Er vermittelte sein Wissen hauptsächlich in Einzelsitzungen – auch telefonisch. Besonderes Interesse hatte er für den Weg einer ganzheitlichen Heilung der Instinkte, insbesondere der praktischen Integration von Instinctotherapie, PranaEnergetic, Familientherapie, Tantra und Advaita.

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