Talk mit Bruno Weihsbrodt, Buchautor "Intelligente Ernährung - lebendige Vitalkost mit Wildkräutern"

Der Weg einer instinktiven Rohkosternährung bietet auch Zugangsmöglichkeiten für eine vegane Ernährungsweise. Zu diesem Entschluss kommt jedenfalls Bruno Weishbrodt. Er selber ist seit 25 Jahren Rohköstler und vor allem ein Experte auf dem Gebiet der Wildpflanzen und Gräser. Gourmet-Rohkost ist, wie er selber sagt nur etwas für zwischendurch. Wer sich zudem vegan ernähren möchte, sollte sich unbedingt mit viel Wildpflanzen eindecken. Im Interview gibt Bruno Weishbrodt praktische Rohkosttipps für die Umsetzung. Katharina Fuchs stellte die Fragen.

Fuchs: Was bedeutet das Wort Instinkt bei einer instinktgeleiteten Rohkosternährung?

Weishbrodt: Wenn ich in meinem Garten bin, esse ich meistens das worauf ich gerade intuitiv Lust habe oder was sich  in der Nähe meiner Gartenarbeit befindet. Ich bevorzuge dann oft viele verschiedene Kräuter. Wenn Früchte reif sind, so beginne ich immer mit einer Fruchtsorte und nach einer Pause esse ich dann Wildkräuter oder Salate. Von den Wildkräutern nehme ich oft nur kleine Mengen zu mir und dafür sehr viele verschiedene Sorten. Gewisse Pflanzen vertrage ich nur zwischendurch und auch nicht in großen Mengen (ca. 3 Blätter).  Das gilt z.B. für Mangold, Spinat, Sauerampfer, Spitzwegerich und Schlangenknöterich. Ich spüre instinktiv ob ich von einer Sorte viel oder nur ganz wenig essen soll und ob diese Art mit anderen Pflanzen kombiniert werden kann oder nicht.  Ich schmaue, wie der Volksmund sagt,  bestimmte Pflanzen (z.B. Spitzwegerich) oft auch nur über einen temporären Zeitraum und wochenlang nicht, weil mein Körper nicht jeden Tag das gleiche Verlangen hat. Am Abend nehme ich regelmäßig gerne  Gräser, Borretsch, Brennnessel und Salate mit nach Hause, damit meine Familie auch in den Genuss von Wildkräutern kommt. Als willkommene Abwechslung bereite ich mir (meistens mit Gräser, Brennnessel und Borretsch) gerne ein Pesto zu, welches mit Blüten und Salate noch verfeinert wird.

Fuchs: Gibt es vereinzelt rohe Lebensmittel, die eine ausgezeichnete Qualität aufweisen und trotzdem negative Symptome bei  Menschen auslösen können? Wie kann ich feststellen, welche Lebensmittel mir nicht gut tun?

Weishbrodt: Es gibt rohe Lebensmittel, welche in großen Mengen eine Belastung für den Körper darstellen, selbst wenn die Qualität ausgezeichnet ist. Zu viel Durian oder Avocado, zu viele Nüsse und  Früchte mit hohem Fruchtzuckeranteil können sehr wohl negative Symptome auslösen. Vereinzelte Personen  in der Rohkostszene belügen sich dann selbst und nennen das “Entgiftung”. Wenn ich testen will, ob ich ein Lebensmittel in einer größeren Menge vertrage, so esse ich genau dieses Lebensmittel einen ganzen Tag lang, halte aber die Menge sehr niedrig. Ich nenne das dann “Monokost-Tag”. In der Kirschenzeit z.B. nehme ich den ganzen Tag nur Kirschen zu mir und dazwischen sehr viel Wildkräuter und Gräser. Mit Kirschen, Heidelbeeren, Äpfel und Himbeeren kann ich das machen, mit Avocados, junger Kokosnuss, Nüssen oder Durian ist meine Verdauung hoffnungslos überfordert. Die meisten Rohköstler essen meiner Meinung nach zu viele Fette. Fette kann ich nur in großer Menge aufnehmen, wenn ich mich den ganzen Tag viel bewege.

Fuchs: Ist dir der Umstieg auf eine vegane Lebensweise schwer gefallen?

Weishbrodt: Da ich ja seit über 20 Jahren schon vegetarisch lebe und dann nach einer 4- jährigen, reinen Früchteernährung für mein Buch mit rohen Milchprodukten und Eiern experimentierte, fiel es mir sehr leicht wieder total vegan zu leben. Mit einer veganen Lebensweise fühle ich mich einfach am besten. Da ich möglichst naturnah leben will und Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulvern möglichst vermeide, benötigte mein Körper für den Übergang zur veganen Rohkost in den ersten paar Monaten ab und zu ein rohes Ei. Dieses Verlangen ist dann aber verschwunden und seit ich ein umgebautes Heimsolarium verwende, welches UVB-Strahlung abgibt, ist dieses Verlangen auch im Winter total verschwunden.

Fuchs: Was möchtest du abschließend den LeserInnen gerne mit auf dem Weg geben? Worauf sollte man speziell bei  einer veganen Rohkost achten?

Weishbrodt: Gourmet-Rohkost ist etwas für einen Tag in der Woche oder auf einer Rohkostmesse. Sie ist nicht alltagstauglich. Ich empfehle so viele grüne Wildpflanzen, Salate und Gräser  wie möglich und nur 1 – 2 x am Tag Früchte EINER Sorte pro Mahlzeit zu essen. Auch bei den Smoothies sollte man nur eine Sorte Früchte verwenden. Und wenn man zu Früchten greift, ist es besser auf  Mandelmus, Fette und Nüsse zu verzichten. Entweder  Grün und Fette oder Grün und Früchte. Auch bei Wildkräutern sollte man zuerst einmal probieren, wie viel man überhaupt davon essen kann. Und genau diese Menge und nicht mehr sollte man dann auch im Smoothie verwenden. In meinem Buch ist eine Tabelle abgedruckt, wo man unter anderem die wichtigsten Infos zu den Wildkräutern findet.

ZUR PERSON:

Bruno Weishbrodt ist seit 25 Jahren Rohköstler und forscht seit dieser Zeit auf dem Gebiet sowie weitere alternative Heilweisen. Er ist ein Wildkräuterspezialist und ernährt sich vorwiegend von Wildpflanzen und Gräser. Sein negativer Gesundheitszustand bewegte ihn zur instinktiven Rohkost: Angina, Mandelentzündung, Gastritis, juckendes Hautekzem, Fußpilz, Kopfschmerzen, Hexenschuss und Grippe 2-3 Wochen/Jahr. Durch gezielte vegane Ernährung haben sich seine Symptome ganz zurückgebildet. Er fastet einen Tag  in der Woche und nimmt seine erste Nahrung gegen 12h Mittag zu sich, was sich seiner Ansicht nach, erfahrungsbedingt positiv auf den Organismus auswirkt.

BUCHTIPP:

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