Mondholz von Erwin Thoma

Vom Traum zum Raum – nachdem seine Kinder eine Allergie gegen Holzleim entwickelten, brachte er eine Vision aus einem Traum nächtens zu Papier: Holz 100. Seine Eingebung und sein Name stehen für unversehrte Massivbauten und natürliches Raumklima ohne Chemie: Erwin Thoma, Ingenieur und Unternehmer aus Österreich, setzt auf neue „Maßstäbe“ und publizierte kürzlich seinen Bestseller: „Die geheime Sprache der Bäume“

Fuchs: Sie leiten heute ein internationales Unternehmen in Goldegg, welches weltweit neue Maßstäbe setzt: bereits in 25 Länder, von Japan über Skandinavien bauen Sie Massivholzbauten und beliefern Bauherrn mit Holzbaustoffen aus reinem Holz ohne Vollholz- Verleimungen und Metall. Holz 100 steht für das Verbinden von Holzbrettern mit Holzdübeln und zeichnet sich durch Mondholz mit geringem Schwund aus. Sie zeigen auf, dass es sich dabei um keinen Esoterik-Murks handelt, sondern,  dass Sie  mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Wie lässt sich das rechtfertigen?

Thoma: Im eigenen Forschungszentrum wurde das System entwickelt, leim- und metallfreie Massivholzteile zu einem einstofflichen, beständigen Element (Holz 100) – hundertprozentig aus Holz – zu verbinden. „Holz vom richtigen Zeitpunkt in heimischen Traditionen“, oft auch Mondholz genannt, besitzt eine größere Dichte und ist auf natürliche Weise resistenter gegen Schädlinge. Europäische Universitäten prüften und zertifizierten Holz 100 mit folgendem Ergebnis: Brandwiderstandsfähigkeit bis zu 180 min, thermische Spitzenwerte durch natürliche Innenraumklimatisierung und Bestwerte bei der Strahlenabschirmung von Mobiltelefon.  Es wurde dabei ein Weltrekord in Wärmedämmung mit einem Lambda-Wert von 0,078 und hinsichtlich Brandschutzsicherheit ein FB von 180 nachgewiesen. Darüber hinaus besitzt das Holz diffundierende, wärmeisolierende Wände, einstoffliche diffusionsoffene Dämmstoffvarianten und dämmt  Kälte wie Wärme besser als Passivhäuser. Holzhäuser sind eine natürliche Klimaanlage. Holz als Dämmstoff hat sich auch im Bezug auf Winddichtigkeit und  auf schallabsorbierende Schichten bewährt. Bei der Brandschutzsicherheit halten im Brandfall Thoma Häuser mit dem System Holz 100 länger als manche verleichbare Betonkonstruktionen. Mit Bauten aus reinem natürlichem Holz entstehen energieunabhängige Häuser gegenüber Klima, Heizung und Haustechnik. Durch die richtige Lagerung, dem richtigen Zeitpunkt und Trocknung von Holz ist es resistent gegen Pilze und Insekten. Damit ist es möglich auf Lacke, Leime. Lasuren, Klebstoffe, Holzschutzmittel zu verzichten. Wissenschaftler um Ernst Zürcher an der ETH Zürich haben bei Mondholz mit Forschungsresultaten später eindeutig belegt, dass sich Holz im Winter bei abnehmendem Mond messbar stärker zusammenzieht und dadurch die Struktur des Materials dichter wird. Im Winter sind die Bäume im Ruhezustand und enthalten weniger Nährstoffe und machen sie für Schädlinge uninteressanter. Und ein weiterer Trick: Die Bretter aus Mondholz werden dann waagrecht, senkrecht und diagonal zu kompakten Bauelementen zusammen geschichtet. Durch minimale Lufteinschlüsse beim Schichtenaufbau des Systems entsteht eine nahezu doppelt so gute Wärmedämmung als bei verleimten oder vollen Holz. Die Dübel nehmen dann die Restfeuchtigkeit des Holzes auf, quellen unlösbar wie fest verwachsene Äste in die umgebenden Hölzer hinein. Damit verbinden sich alle Einzelteile zu einem Ganzen. Aus den dicken massiven Holzelementen entstehen dann Wände, Decken und Hausdächer.

Fuchs: Ich nehme an, dass Ihnen nicht dieses ganze Wissen in einem Traum übermittelt wurde?

Thoma: Im Grunde genommen ist es Wissen, das früher jeder, der mit der Natur vertraut war, gewusst hat. Dass der Mond die Gezeiten bewegt ist bekannt, doch dass dieser auch auf die Beschaffenheit von Holz Einfluss hat, ist weniger verbreitet. Das Wissen über Mondholz erlangte ich unter anderem durch den Großvater meiner Frau, über Kenntnisse alter Handwerker  und Geigenbauer, die im Winter in den Wald kamen, um bestimmte Bäume zu bestimmten Zeiten zu ernten. Diese Kenntnis versuche ich mit moderner Forschung und mit modernem Fortschritt zu verbinden.  Als ich 35 Jahre alt war, bin ich eines Nachts aufgewacht und habe in einem Traum das erhalten, was ich so lange gesucht habe: Holz 100. In der Küche habe ich das ganze Patent auf das Papier geschrieben. Ich habe es geträumt bis ins letzte Detail. Damit habe ich die Erfindung und den Weg gefunden, wie man fast jedes Haus bauen kann ohne Chemie und Hilfsmittel- nämlich über die waagrechte, senkrechte und diagonale Schichtung der Bauelemente wie ich es bereits zu Beginn erzählte.

Fuchs: Und wie sehen die Marktpreise im Vergleich zwischen Massivholzbauten und einer herkömmlichen Bauweise aus?

Thoma: Bezogen auf die Gesamtbaukosten reden wir von ca. 5 Prozent bis maximal 10 Prozent Mehrkosten im Vergleich zu einem konventionell gebauten Haus (Ziegel und Beton) mit gleicher Ausstattung. Durch niedrigere Betriebskosten und Energieverbrauch hebt sich das rasch wieder auf. Dazu kommen noch die höhere Auslastung und höheren Erträge.

Fuchs: Sie selber sind zu der Erkenntnis gelangt, dass man mit technischem Fortschritt nicht mehr jedes Problem lösen kann, sondern es um die Besinnung zurück zur  Natur geht. Welche Botschaften vermitteln uns die Bäume, um von der Abfallwirtschaft zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft zu gelangen?

Thoma: Das neue Zeitalter und die unaufhaltsamen Kräfte der Globalisierung drängen zu einem immer stärker werdenden technischen Fortschritt. Doch dies darf nicht auf Kosten der Natur passieren. Der Wohlstand macht uns zu einer Wegwerf- und Ausbeutungsgesellschaft. Wir müssen weg von der Wergwerfspirale zu einer gesunden Kreislaufwirtschaft.  Der Wald als Vorbild ist als Gemeinschaft ein unglaubliches Logistikunternehmen. Die Bäume sind für uns Menschen Botschafter. Sie zeigen uns, wie wir weg kommen von der Abfallwirtschaft zur ökonomischen Kreislaufwirtschaft und sie machen uns klar, wie wir energieautarke Häuser bauen können, ohne viel Müll und Chemie zu produzieren. Bäume haben ein abgestimmtes soziales Netzwerk mit klaren Aufgabenteilungen.  Dabei werden Unmengen an Material transportiert ohne dass Abfall zurück bleibt und  CO 2 in die Atmosphäre gelangt. Holz ist ein Rohstoff, der bei seiner Produktion Abgase aufnimmt und menschliche Abgase in Sauerstoff umwandelt. Beim patentierten Holz 100, wo auf jegliche Holzschutzgifte verzichtet wird, ist es möglich, den Primärenergieverbrauch beim Bauen um 50- 80 Prozent zu reduzieren, und den Menschen gleichzeitig eine gesündere Umgebung zu liefern. Der nachwachsende Baustoff Holz, der aus nachhaltig bewirtschafteten Forstbetrieben bezogen wird, wirkt den Treibhausgasen entgegen, da Holz CO 2 bindet. Und weil Holz naturbelassen bleibt kann es auf natürlichem Weg in den Kreislauf zurückgelangen. Dank unserer Forschungsergebnisse sind wir so weit, dass ein Haus in dieser Bauweise in vielen Jahren wieder in seine Einzelteile zerlegt und ein neues Haus entstehen kann. Das nenne ich vernünftiges Recycling. In Japan stehen die ältesten Holzbauten der Welt, die 1600 Jahre alt sind.

Fuchs: Um die Botschaften der Bäume zu verstehen, müssen wir uns also einer neuen Sprache hinwenden. Sie selber halten Bäume für Lebewesen und sind der Ansicht, dass wir uns mit dieser neuen Fremdsprache näher auseinandersetzen sollten. Denken Sie, dass Bäume Emotionen und Gefühle haben und sehr wohl auf einer höheren Bewusstseinsebene mit sensitiven Menschen gedanklich  über Gedankenübertragung interagieren?

Thoma: Ich denke, dass Menschen und Pflanzen sehr wohl miteinander interagieren. Mittels Lügendetektoren hat man bereits herausgefunden, dass Pflanzen biochemische Nachreaktionen bei einer Bedrohung aussenden. Ich selber habe einmal das Experiment gemacht, indem ich herausfinden wollte, welche Ergebnisse man erzielt, wenn man Pflanzen mit Respekt und Achtung begegnet und wenn man sie negativ behandelt. Die Resultate waren erstaunlich. Die eine Pflanze ging ein, die andere blühte auf. Genaueres dazu kann man in meinem Buch nachlesen. Biokommunikationswissenschaftler in Salzburg haben darüber hinaus das strategisch bewusste Verhalten und Handeln von Pflanzen untersucht. So können beispielsweise Bäume  mit Mikroorganismen interagieren und sie programmieren, um ihnen auf ihrer Sprache verständlich zu machen, was sie für das Wachstum oder bei Verletzungsgefahr benötigen. Genauso ist es auch zwischen Bäumen und Tieren. Ein Baum kann an seine Blätter signalisieren, Bitterstoffe zu senden, damit er nicht kahl gefressen wird.  Dazu gibt es noch weitere unzählige Beispiele.

Fuchs: Sie beschreiben in Ihrem Buch auch wie stark Holzhäuser unsere Gesundheit positiv beeinflussen und dass jedes Holz seine eigene Wirkung für uns Menschen hat. Welche Resultate entstehen bei bestimmten Holzarten Ihrer Erfahrung nach?

Thoma: Wissenschaftliche Messungen der Uni Graz kamen zu folgendem Entschluss: Der Pulsschlag wird langsamer, das vegetative Nervensystem wird ruhiger und der Schlaf spürbar besser. In unserem Forschungszentrum wurde an Keimlingen bestimmter verschiedener Holzarten deren Biophotonen-Strahlung gemessen. So wurde beispielsweise herausgefunden, dass die Zirbe antibakteriell wirkt und gegen Mottenbefall hilft und im Schlaf eine beruhigende Wirkung auf uns Menschen ausübt. Ich selber habe auch die Erfahrung gemacht, dass Rast unter einem Bergahorn Klarheit, Übersicht und Ruhe brachte.

Fuchs:  Und an welchem Projekt arbeiten Sie derzeit bzw. welche Projekte haben sie bereits auf die Beine gestellt?

Thoma: Ein gutes Beispiel für eine außerordentliche Energieeffizienz steht in Oberndorf bei Kitzbühel . Dort wurde ein viergeschossiges Bürogebäude errichtet, welches den gesamten Jahresenergiebedarf mit Erdwärme und Photovoltaik selbst produziert. Die ersten großen Bauten erfolgten zuerst im Ausland, wie z.B. das Hotel Urthaler auf der Seiseralm, eine Kirche in Japan, die Königsresidenz in Norwegen, die Holzuniversität in Oslo. Unser aktuelles Projekt ist ein siebengeschossiges Holzhotel in Leogang. Und wer übrigens selber einmal in einem Thoma Haus probewohnen möchte, ist gerne dazu eingeladen.

Erwin Thoma original

ZUR PERSON:

Ing. Dr. Erwin Thoma  wurde 1962 in Bruck am Großglockner geboren. Seine Liebe zur Natur lässt ihn früh den Beschluss fassen, Förster zu werden. Inmitten der mächtigen Baumriesen des Karwendels studiert er die Geheimnisse des Waldes, sein Wissen setzt er in der später gegründeten Holzbaufirma ein, um Häuser aus 100 Prozent Holz zu errichten-  ein Weltpatent. Seine Entwicklungen beschäftigen mehrere europäische Universitäten. Für seine Häuser hat Thoma bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Salburger Innovationspreis sowie bislang einzige „Cradle to Cradle“-Gold-Zertifizierung für ein Baumaterial. Erwin Thoma hat drei Kinder und lebt mit seiner Frau in Goldegg.